Wie schlafen Pferde?

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Auch Pferde müssen schlafen – so wie der Mensch auch. Grund hierfür ist, dass Schlaf zur Erholung beiträgt. Besonders die beanspruchten Muskeln können sich in dieser Zeit regenerieren. Denn nur wenn diese sich regenerieren können, erhält man einen leistungsbereiten, gesunden, motivierten und zuverlässigen vierbeinigen Partner. 

Wie schlafen Pferde?

Doch wie schlafen Pferde? Pferde, auch die heutigen „Hauspferde“ zählen zu den Fluchttieren und müssen dementsprechend auch ihr Schlafverhalten anpassen. Dies bedeutet, dass sie immer fluchtbereit sein müssen. Wildlebende oder freilebende Pferde bevorzugen meist erhöhte Schlaf- beziehungsweise Liegeplätze, um die Umgebung gut überblicken zu können. Hierdurch soll gewährleistet sein, dass mögliche Fressfeinde früh genug erkannt werden können. Als weitere Sicherheitsmaßnahme dient das einzelne Ablegen von Einzeltieren aus der Gruppe. Mindestens ein Tier der Gruppe bleibt immer stehen, um die Aufsichtsposition zu besetzen und bei Gefahr frühzeitig warnen zu können. 

Pferde schlafen über den Tag verteilt in mehreren kleineren Schlafperioden.

Pferde schlafen über den Tag verteilt in mehreren kleineren Schlafperioden. Diese können eine unterschiedliche Länge aufweisen. Zwischen ein paar Minuten bis zu einer Stunde variieren die Zeitfenster. Hierdurch sind Pferde meist bis zu 75 % eines Tages wach. Die 25 %-tige Schlafperiode teilt sich in Dösen, Tiefschlafphase (SWS-Schlaf) und Traumschlaf (REM-Schlaf) auf. Adulte Tiere schlafen somit im Durchschnitt sieben Stunden am Tag. Hiervon werden in etwa vier Stunden mit Dösen und weitere drei Stunden mit Schlafen verbracht. 

Schlafverhalten von Pferden abhängig vom Arbeitspensum

Am häufigsten schlafen Pferde in der Zeit zwischen 20.00 und 05.00 Uhr sowie zwischen 12.00 und 14.00 Uhr. Fohlen und Jungtiere schlafen hierbei länger und häufiger als adulte Tiere. Stutfohlen schlafen fast doppelt so häufig in Seitenlage wie Hengstfohlen. Jedoch wird das Schlafverhalten auch vom Arbeitspensum des Pferdes beeinflusst. Leistungsgeprägte Tiere schlafen insgesamt länger und auch deutlich häufiger als die freizeitgeprägten Kollegen.  

Schlafphasen beim Pferd

Die Unterscheidung beim Pferd zwischen Schlaf- und Wachzustand ist jedoch nicht so einfach wie gedacht. Beim Menschen unterscheidet man zwischen zwei Zuständen – wach und schlafend. Doch beim Pferd gibt es verschiedene Arten beziehungsweise Phasen des Schlafens:  

Dösen

Zwischenphase zwischen Wachsein und Schlafen – meist im Stehen, aber auch im Liegen – die Muskeln sind hierbei kaum angespannt, sodass eine entspannte Körperhaltung angenommen wird. Diese äußert sich im Stehen häufig mit einem angewinkeltem Hinterbein, aufgestellter Hufspitze und hängender Unterlippe. Doch wieso fällt das Tier bei der Entspannung der Muskeln nicht um? Dies liegt an einer speziellen Anordnung der Bänder und Sehen, die „verschlossen“ werden können. Im Liegen liegt das Pferd häufig aufrecht in Brustlage und stützt häufig seine Nase im Einstreu oder auf dem Boden ab. Oder hält den Kopf trotz der Liegeposition in der Luft.  Gedöst wird ungefähr 8 % eines Tages lang.  

schlafen beim pferd - dösen

SWS-Schlaf: Slow-Wave-Sleep – Tiefschlaf 

In der Tiefschlafphase verlangsamt sich zusätzlich zum Dösen die Atem- sowie Herzfrequenz. Das Gehirn wird inaktiv, sodass ein Tiefschlaf entstehen kann. Diese Schlafphase verbringen Pferde häufig in Brustlage im Liegen. Hierfür werden trockene, saubere Schlafplätze aufgesucht. Selten wird auch im Stehen diese Schlafphase erreicht. Doch obwohl das Gehirn abgeschlatet wird und ein Tiefschlaf eintritt, sind Pferde immer noch jederzeit fluchtbereit. Das bedeutet, dass sie trotz alledem ihre Umgebung wahrnehmen und bei Gefahr augenblicklich reagieren können. In der Tiefschlaf-Phase verbringen Pferde in etwa 13 % der Tageszeit.

REM-Schlaf: Rapid-Eye-Movement – Traumschlaf  

Während des REM-Schlafes werden die Atem- und Herzfrequenz noch weiter herabgesetzt. Das Gehirn jedoch bleibt bei dieser Schlafphase äußerst aktiv, denn es werden Träume produziert. Dies ist an teils sehr aktiv zuckenden Augen zu erkennen. Diese Schlafphase ist jedoch nur im Liegen und in der Seitenlage zu erreichen und ist die wichtigste der Schlafphasen.

Grund hierfür ist, dass Pferde in dieser Phase komplett regenerieren können und somit zur Muskel-Erholung beigetragen wird. Pferde können während des REM-Schlafes sogar Traumbewegungen oder -geräusche ausführen. Hierunter fallen dann beispielsweise im Liegen galoppierende Pferde, die womöglich von einer weiten Wiese träumen. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass die Hirnströme während dieser Schlafphase denen der Menschen entsprechen. Pferde müssen jedoch im Vergleich zum Menschen zuerst die SWS-Phase durchlaufen, um in die Traumphase zu gelangen. Der REM-Schlaf nimmt die kürzeste Tagesphase ein. Mit nur 4 % ist es eine sehr kurze Dauer

Es gibt drei Arten von Schlaftypen beim Pferd: 

  • Bauchschläfer: das Pferd liegt mit eingeschlagenen Beinen auf Bauch und Brust, der Kopf ist häufig erhoben oder wird auf dem Boden abgestützt. Die Mimik des Gesichtes gleicht der beim Dösen (hängende Unterlippe, entspannter Blick), die Augen sind aber häufig geschlossen 
  • Seitenschläfer: das Tier liegt mit ausgestreckten Beinen auf der Seite. Hals und Kopf liegen auf dem Boden. Häufig befindet sich das Tier in diesem Zustand in der Traumschlafphase. Trotzdem ist die Fluchtbereitschaft groß, da dass Tier bei drohender Gefahr sofort aufspringen und flüchten kann
  • Döser: das Pferd steht. Der Kopf und Hals werden gesenkt und die Ohren fallen häufig zur Seite, die Augen sind halb geschlossen und die Unterlippe hängt locker. Die Muskeln werden komplett entspannt, sodass häufig abwechselnd alle paar Minuten ein Hinterbein locker auf die Zehe gestellt wird. Das Pferd fällt jedoch trotz entspannter Muskeln sowie Entlastung des Hinterbeines nicht um, da es über eine „Spannsägenkonstruktion“. Diese ermöglicht ein kräfteschonenendes Stehen, das durch das Einhaken der Kniescheibe hinter einem Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens erreicht wird. Ober- und Unterschenkel sind daraufhin zwischen diesen beiden Halterungen wie eine Spannsäge arretiert. Pferde können im Dösen sogar für mehrere Minuten in den Tiefschlaf sinken, jedoch bei Gefahr sofort wieder fluchtbereit sein

Dauer und Häufigkeit von Schlafphasen beim Pferd

Die Dauer und Häufigkeit von Ruhe- beziehungsweise Schlafphasen ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Hierbei spielen Alter, Haltungsbedingungen, Rangordnung, Fütterung, der Tagesrhythmus des Menschen und sogar das Wetter eine wichtige Rolle. Jedoch ist einer der wichtigsten Faktoren der Wohlfühlfaktor des Tieres in seiner Umgebung.

Fühlt sich das Tier in seinem Umfeld nicht sicher und empfindet Angst oder Stress, wird es kaum Schlaf finden. Beispielsweise tragen hierzu zu kleine Boxen oder auch zu dreckige Untergründe in Form von schlechtgemisteter Einstreu bei. Legen sich die Tiere trotz zu wenig Einstreu hin, können meist Schürfwunden vor allem im Bereich der Sprunggelenke entstehen. Hierdurch ist es wichtig, dass Pferde immer einen weichen, sauberen und trockenen Platz zum Schlafen vorfinden und ihnen genügend Zeit gelassen wird, um auch wirklich die „innere“ Ruhe zu finden.

Es kann jedoch auch sein, dass alle äußeren Faktoren stimmen und das Tier sich trotzdem nicht ablegt zum Schlafen. Grund hierfür könnte sein, dass das Pferd gesundheitliche Probleme hat. Häufig ältere Tiere oder beispielsweise von Spat oder Arthrose geplagte Pferde legen sich nur ungern hin, da sie Angst haben, nicht mehr aufstehen zu können. Jedoch keine Sorge! Die Tiefschlafphase kann von solchen Pferden auch im Stehen erreicht werden, sodass diese Tiere nicht komplett auf „tiefen“ Schlaf verzichten müssen. 

Folgen von Schlafmangel beim Pferd

Schlafmangel kann viele negative Folgen mit sich führen. Leistungsabfall, Verhaltensänderungen und Unkonzentriertheit können die Folge sein. Die Tiere können unruhig, schreckhaft und aggressiv wirken. Aber auch Krankheiten können entstehen, wie beispielsweise Koliken oder die narkoleptischen Störungen, die sogenannte Narkolepsie. Hierzu zählen beispielsweise das Umfallen aus dem Stand durch Muskelermüdung als Übermüdungserscheinung. 

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