Was kostet ein Pferd?

Pferde

Vieler Mädchen Traum ist ein eigenes Pony oder Pferd. Auch im erwachsenen Alter lässt die meisten der Traum nicht los und der Wunsch soll in Erfüllung gehen. Man denkt darüber nach, den Kindheitstraum wahr werden zu lassen – doch Moment – was kostet der Spaß überhaupt? Und wie kann man überhaupt im Pferdemarktdschungel einen Durchblick erlangen?

Egal ob schwarz, bunt, fuchsfarben, braun oder weiß – bei einem Pferd gibt es einmalige und laufende Kosten, ähnlich wie bei einem Auto. Es ist nicht allein mit dem Kaufpreis getan, denn dieser ist meist die geringste Summe – auch wenn diese dem ein oder anderen teils horrend hoch vorkommen kann.

Einmalige Kosten

Unter die einmaligen Kosten fällt einmal der Kaufpreis, denn so ein Vierbeiner möchte ja erst einmal angeschafft werden. Hier werden häufig Preise zwischen 5.000 und bis zu 45.000 € oder gar sehr viel höher verlangt. Der Preis richtet sich immer nach der Abstammung, dem Fundament, dem Interieur, dem Alter, dem Ausbildungsstand und der Qualität des Pferdes. Je besser die Qualität sowie die Ausbildung, desto höher der Preis. Beispielsweise werden Grand Prix Pferde häufig nicht unter 150.000 € bis 500.000 € oder mehr verkauft. Ein unausgebildetes Pferd kostet heutzutage vielfach jedoch auch schon einen Bruchteil von diesen hohen Summen, da mit entsprechender Abstammung und Qualität nicht mehr im Süden Deutschlands Preise unter 25.000 € die Regel sind.

Hingegen lässt sich teils auch ein gutes Freizeitpferd für weitaus weniger anschaffen. Hinzu kommt bei einer Anschaffung aber auch die Empfehlung einer tierärztlichen Ankaufsuntersuchung. Diese kann klein oder groß ausfallen und verursacht nochmals Kosten. Je nach Region fallen zusätzlich zwischen 500 € und 1.500 € an. Diese Kosten sind jedoch sehr gut investiert, wenn man bedenkt, dass keiner einen Röngtenblick hat! Besonders wenn die rosa-rote Brille schon den Blick versperrt und das vermeintliche Traumpferd vor einem steht, sollte man lieber nochmal einen Tierarzt zu Rate ziehen! Denn dieser hat dank modernster mobiler Röngtentechnik die Möglichkeit einen gekonnten Blick auf das Pferd zu werfen. Dies kann teils sehr hilfreich sein, um unschöne Spätfolgen zu vermeiden!

Ist das Tier tierärztlich durchgecheckt und soll der neue Freizeit-, Sport- und Familienpartner werden, so kommen weitere Kosten, denn der Besitzer muss in dem Pferdepass umgetragen werden – vor allem bei Turnierpferden spielt diese wichtige Kleinigkeit eine große Rolle! Hinzu kommt, dass der Pferdepass neben der Eigentumsurkunde eines der wichtigsten Ausweisdokumente des Pferdes ist und hierdurch die Besitzverhältnisse festgelegt werden.

Eine Eintragung oder Umschreibung des Besitzers kostet bei der FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) in etwa 35 €. Hierzu muss der Pferdepass eingesendet werden. Soll noch eine Turnierpferdeeintragung vorgenommen werden, so kostet dies wiederum ungefähr 165 € und muss jährlich erneuert werden. Die jährliche Fortschreibung ist jedoch einfach per Sepa-Lastschriftmandat ab handelbar. Ebenfalls muss hier beachtet werden, dass jeder Turnierreiter einem Reitverein angehören muss und auch dieser jährliche Gebühren verlangt!

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Einmalige Kosten:
je nach Kaufpreis des Pferdes: zwischen 5.000 € und 45.000 € oder niedriger oder höher!

Laufende Kosten für…

…Versicherungen

Weitere wichtige Kosten entstehen durch unbedingt notwendige Versicherungen. Eine absolute Pflicht ist eine ausreichend hohe Haftpflichtversicherung, die möglichst hohe Deckungssummen aufweisen sollte. Denn ich denke keiner von uns möchte für den Schaden aus eigener Tasche aufkommen, falls das Tier aus welchen Gründen auch immer einmal frei kommen sollte und Verwüstungen verbreitet. Spätestens wenn Personen dann noch zu Schaden kommen, kann es schnell in die Hunderttausend bis Millionenhöhe gehen.

Bei einer Versicherung sollte ebenfalls über eine OP-Versicherung nachgedacht werden. Nicht selten passiert es, dass das Tier sich schwer verletzt oder eine schwere Kolik hat und operiert werden muss. Hier belaufen sich die Kosten schnell auf mehrere tausend Euro, die in der Klinik sofort bezahlt werden müssen, da sonst das Tier nicht wieder ausgehändigt wird. Hierfür gibt es jedoch genügend sehr gut ausgestattete Versicherungstarife, die mit diversen Pakten wie basis, pfermium oder premium plus Paketen alles abdecken. Ein Kombipaket aus einer guten Haftpflicht- und OP-Versicherung ist häufig günstiger, als die Versicherungen einzeln zu nehmen. Hier ist für ein Premium Plus Paket mit rund 450 € im Jahr zu rechnen.

Laufende Kosten setzen sich aber nicht nur aus Versicherungen, Turnierpferdeeintragung und Vereinsmitgliederbeiträgen zusammen, sondern auch aus Boxenmiete, Futtermitteln, Zusatzfuttermitteln, Pflegeprodukten, Hufschmied, Tierarzt und Sattler.

…die Stallmiete

Beispielsweise sind bei Boxenmieten im Süden Deutschlands Vollpensionspreise um 500 € im Monat die Normalität. Vollpension bedeutet, dass das Pferd den rund-um-Service genießt, beispielsweise mit täglichem Mist-, Koppelführ- und Fütterungsservice sowie voll ausgestatteter Reitanlage (Halle, Sandplatz, Heu- & Strohbeschaffung etc.). Natürlich geht es auch günstiger, besonders wenn man in einen Selbstversorger Stall geht. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass alles selbst gemacht werden muss!

Bei der Boxenmiete bleibt es jedoch in den meisten Stallungen heutzutage nicht mehr. Möchte man noch Fliegenhauben-, Gamaschen-, Hufglocken- und/oder Deckenservice so kann pro Posten mit zwischen 10 € und 30 € gerechnet werden, je nach Standort und Stall. Somit ist man schnell bei dem Kompletteinpackservice bei nochmals monatlich 70 €. Wenn dann auch noch der Koppelführservice nicht enthalten ist, kann mit abermals 30 € gerechnet werden. Teilweise verlangen heutzutage Stallungen auch eine monatliche oder jährliche Koppelpacht, die zwischen 50 € und 500 € liegen kann.

Zwei Braune Pferde

…die Fütterung

Doch häufig ist nicht nur die Unterbringung ein großer Posten, sondern auch die Fütterung. Vielen Pferden reicht das in den Stallungen vorhandene Futter nicht aus oder sie weisen Allergien oder gar Unverträglichkeiten auf. Schnell muss daraufhin ein spezielles Futter her und hier langen die Hersteller richtig zu! Zum Beispiel kann die Fütterung von Spezialmüsli teils im Monat für ein Sportpferd rund 200 € kosten.

Wer jedoch seinem Pferd nur mal etwas Gutes tun möchte und Heucobs oder Mash verfüttern, kommt wesentlich günstiger davon. Hier reicht häufig ein Sack mit
25 € für zwei Monate. Ein Mineralfutter sollte jedoch immer gefüttert werden – wenn dies nicht im Stallservice enthalten ist. Dieses kostet ebenfalls um die 25 € bei guter Qualität für zwei bis drei Monate.

…Pflegezubehör

Hinzu kommt, dass der wahrgewordene Mädchentraum auch optimal gepflegt werden soll! Gutes Putzzeug ist nicht günstig. Hier sind die Luxusartikel wahre Geldräuber, doch diese Investition lohnt sich! Denn seidiges Fell will gepflegt und hergestellt werden und dies erreicht man leider nur durch optimales Futter, Huffett und Pflegeutensil. Zusätzlich müssen die Pflegeartikel schön verstaut werden, hier gibt es die Qual der Wahl. Entweder günstige Putztaschen oder teure Putzkoffer, die teils sogar als Aufstiegshilfe genutzt werden können und um die Wette funkeln. Aber auch das Lederzubehör wie Sattel und Trense wollen gepflegt werden! Auch hier sollte lieber etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden, da günstige Produkte leider häufig das Leder angreifen und nicht wie besprochen pflegen.

…den Hufschmied

Hinzu kommt bei den monatlichen Kosten der Hufschmied, denn ohne Huf kein Pferd! Dieser fällt auch mit unterschiedlichen Preisen ins Gewicht und ist abhängig von der Bearbeitungsart. Benötigt das Pferd keine Eisen und kann Barhuf laufen ist es am kostengünstigsten. Häufig verlangen Schmiede für den Ausschneidservice 60 € für vier Hufe. Kommen jedoch Eisen hinzu, sind normalerweise Preise zwischen 120 € und 160 € keine Seltenheit. Zusätzlich muss jedoch eingeplant werden, dass es auch bei Pferden manchmal Spezialfälle gibt, die einen orthopädischen Beschlag benötigen. Dann fallen Kosten von bis zu 300 € pro Beschlag an. Hinzu kommt, dass beschlagene Pferde gegen die Eis- und Schneeglätte im Winter sogenannte Grips benötigen, die einmalig im Winter mit 40 € zu Buche fallen.

…den Tierarzt

Ebenfalls sind Tierarztbesuche in die monatlichen Kosten mit einzuberechnen. Hierbei sollte zur Sicherheit mit rund 100 € pro Monat gerechnet werden, da Kleinigkeiten immer auftreten können. Hinzu kommt, dass Wurmkuren, Kotuntersuchungen, Impfungen etc. immer wieder anfallen. Impfungen sind für Turnierpferde halbjährlich Pflicht. Hierunter fallen dann beispielsweise Herpes und Influenza. Beide kosten mit Anfahrt in etwa jeweils 50 €. Nicht Turnierpferde müssen einmal jährlich mit Influenza geimpft werden. Tetanus hingegen muss alle zwei Jahre aufgefrischt werden. Hinzu kommt bei den Tierarztkosten die jährliche bis zweijährliche Zahnbehandlung, deren Bedeutung keinesfalls unterschätzt werden darf! Diese fällt wiederrum mit bis zu 180 € ins Gewicht.

…das Zubehör

So nun haben wir mal die Grundkosten besprochen – aber da fehlt doch noch was?! Wir können unser Pferd ja immer noch nicht satteln und reiten! Richtig, die Kosten kommen nochmals oben drauf. Einerseits muss ja erstmal ein Sattel angeschafft werden. Hier gibt es sehr große Preisschwankungen. Billig-Sättel sind unter 1.000 € zu erwerben, teure Modelle oder gar Maßsättel hingegen fangen erst bei 4.500 € an. Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte, kann auf einen gebrauchten Sattel zurück greifen oder auf eine breite Auswahl an Markensätteln.

Beispielsweise gibt es auch sehr gute Sättel zu einem optimalen Preisleistungsverhältnis als Teilmaßsättel, wie zum Beispiel die Sättel der Firma Sommer. Jedoch bleibt es auch hier, ähnlich wie bei einem Sattel oder auch Pferd nicht bei einem einmaligen Anschaffungspreis! Denn auch ein Sattel will „gewartet“ werden, da es ein Gebrauchsgegenstand ist und sich die in den Kissen enthaltene Wolle schnell verändern kann und somit dem Pferderücken Schaden zufügen. Eine Sattelüberprüfung sollte bei einem ausgewachsenen Pferd mindestens einmal jährlich erfolgen, bei einem jüngeren Tier je nach Entwicklungsstand oder halbjährlich. Die Kosten für eine solche Überprüfung belaufen sich häufig auf zwischen 150 € und 300 €, je nachdem, wieviel an dem Sattel verändert werden muss.

Aber der Sattel kommt natürlich nicht ohne Unterlage auf das Pferd – eine Schabracke muss her! Diese gibt es in unterschiedlichsten Farben und Formen – mit Glitzer oder ohne. Oder gar mit Fell oder ohne. Da diese im täglichen Gebrauch sind, sollte jeder Pferdebesitzer mehrere Exemplare im Schrank lagern, um ausreichend Ersatz zu haben, sodass durchnässte oder verschmutzte Unterlagen ausgetauscht werden und gewaschen werden können. Schabracken bzw. Satteldecken kosten je nach Qualität um die 40 Euro.

Hinzu kommt, dass zum Reiten eines Pferdes eine Trense benötigt wird. Diese kann je nach Reitweise gebisslos oder mit Gebiss sein. Hierbei gibt es dann wiederum viele verschiedene Zäumungsarten. Jedoch haben alle eins gemeinsam: sie benötigen Zügel, denn ohne Zügel ist keine Lenkung oder Einwirkung auf das Pferd möglich – außer dieses ist so fein ausgebildet, dass ein Halsring und Gewichtshilfen ausreichen. Die Preise von Zäumungen unterscheiden sich ebenfalls stark. Teils sind günstige Modelle schon für wenige Euros erwerbbar, andere hingegen schlagen mit bis zu 500 Euro oder mehr zu Buche. Je nach eigenem Anspruch und Geschmack ist also alles möglich.

Zusätzlich wird zum Führen und Anbinden eines Pferdes ein Führstrick mit Halfter gebraucht. Halfter und Führstrick können häufig in Kombination erworben werden und kosten je nach Qualität rund 30 Euro.

…den Transport

So nun hat man ein Pferd gekauft oder möchte es, jedoch wie transportiert man es? Dies geht nicht ohne Pferdeanhänger, egal wie groß der Vierbeiner ist. Ein eigener Anhänger kann je nachdem gebraucht oder neu mehrere tausende bis zehntausend Euro kosten. Wem ein eigener Hänger zu kostspielig ist, kann sich häufig in der näheren Umgebung einen ausleihen. Hierfür gibt es mittlerweile viele private oder auch geschäftliche Pferdeanhängerverleihe, die zu unterschiedlichen Konditionen für einen Tag, ein Wochenende oder auch gar jährlich einen Pferdeanhänger vermieten. Bei einer Langzeitmiete ähneln die Konditionen einem Leasing-Auto.

Doch Vorsicht! Heutzutage ist es nicht mehr jedem gestattet einen Pferdeanhänger ohne einen speziellen Anhänger-Führerschein zu ziehen! Denn früher waren LKW-, Anhänger-, Motorrad- und Traktorführerschein bei dem normalen Kraftfahrzeugführerschein mit enthalten. Mittlerweile muss man für jede einzelne Komponente einen eigenen Führerschein erwerben. Hinzu kommt, dass das passende Zugfahrzeug benötigt wird! Ein Pferdeanhänger mit einem oder gar zwei Pferden beladen ist äußerst schwer und darf nur mit einem zulässigen PKW mit Anhängerkupplung gezogen werden.

So was kostet denn nun ein Pferd überhaupt im Monat?
Wenn man alle Kosten gut abgedeckt haben möchte, inklusive aller Versicherungen, Zusatzleistungen usw. sollte man sich mindestens 1.000 € im Monat bei Seite legen. Dies ist jedoch sehr günstig geschätzt. Besser ist es, sich mindestens 1.500 € im Monat auf ein Konto zu schlagen, um im Ernstfall gewappnet zu sein!

 Einmaligim Monatim Jahr
Kaufpreis~5.000 – 45.000€ o. mehr  
Ankaufsuntersuchung AKUGroße AKU:
~ 1.500€
Kleine AKU:
~ 500€
  
Besitzerwechsel~ 35€  
Turnierpferde-eintragung~ 165,00€ ~ 28€
Kombi Paket Premium Plus Haftpflicht- und OP-Versicherung  ~ 450€
Boxenmiete ~ 500€ 
Serviceleistungen ~ 30€ 
Zusatzfutter wie z.B. Mineralfutter & Mash & Wurmkuren ~ 25€ 
Hufschmied Barhuf:
~ 60€ Komplett Beschlag:
~ 120 – 160€
 
Tierarzt  ~ 160€ f. Zahnbehandlungen ~ 240€ f. Impfungen (Herpes & Influenza 2x jährlich) ~ 1.000€ f. sonstige Leistungen
Sattel~ 1.000€ – 5.000€ Anschaffungspreis ~ 300€ f. Überprüfungen / Anpassungen
Pflegezubehör fürs Pferd~ 100€~ 10€ 
Übersicht der Kosten einmalig und laufend – Beispielwerte für eine Pferdehaltung im Süden Deutschlands

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